Weiterbildungen

Eine Berufung gefunden zu haben, schließt Weiterbildungen auf anderen Gebieten nicht aus, meine ich. Eine ständige Neugierde, ein Streben nach Wissen und Weiterentwicklung brodelt in mir. Das klingt schön kitschig. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Art, wie ich inhaltlich mit Musik arbeite, mit Instrumentalisten, Regisseuren und Teammitgliedern umgehe und in Dialog trete, sich mit den vielen Erfahrungen, die ich auf Workshops, während Akademien, auf Festivals und im Selbststudium erlernt habe, verbessert. Diese Denkweise verfolge ich seit Schulzeiten, wo ich einen Preis beim Sparkassen-Aktien-Wettbewerb gewann mit dem Ziel, durch geschicktes Platzieren mein Investmentvolumen innerhalb eines festgelegten Zeitraums zu verbessern. Das habe ich zwischen Chor und Camerata erledigt. Als Leistungskurse am Gymnasium wählte ich trotz musischem Zweigs Physik und Wirtschaft, weil es mich interessierte, weil ich seit frühen Jahren die Finanzmärkte mit meinem bescheidenen Wissen und Naivität beobachtet hatte, auch wenn ich mit 12 Jahren nicht wissen konnte, wie sich ein DAX-Unternehmen organisiert, so fand ich das auf und ab, das Treiben an den Aktienmärkten bereits spannend. In der Naturwissenschaft die Herleitung von Einsteins E = mc^2  als unglaublich beglückendes Gefühl. Meine erste außerschulische Weiterbildung erhielt ich als Erzieher, Hausmeister und Koch in einem interkulturellen Schülerladen in Berlin-Kreuzberg, am Görlitzer Park, mit vielen lustigen, lieben, netten und problematischen kurdischen, türkischen, jugoslawischen und deutschen Kindern und Jugendlichen. Mein Chef schloss mich recht schnell ins Herz und bei vielen Bieren im Hof erzählte er mir, wie er mit zwei seiner Freunde mit 18 Jahren von der türkischen Küste aus im Schlauchboot nach Griechenland übersetzte und sich nach Deutschland durchschlug. Meer, Paddelboot, Flüchtlinge – Geschichte wiederholt sich.

Zu Beginn meines Tonmeisterstudiums bewarb ich mich erfolgreich als Stipendiat der Stiftung der Deutschen Wirtschaft, als Exot. Vor dem Assessmentcenter hatte ich große Ehrfurcht, dank des LK Wirtschaft aber genügend Berührungspunkte auch als angehender Tonmeister, mich zum Auswahlverfahren zu trauen. In den ein-wöchigen Akademien haben wir politische Themen behandelt, Deutschlands Weichenstellung für die Zukunft, am Kaminfeuer mit Beratern Frau Merkels, aufwendige Planspiele, Präsentationen und Diskussionen; eine Energieakademie über regenerative Energien, Smart-Grid-Systeme, Elektromobilität und Klimawandel. Die Prognosen und Endzeitstimmung der Referenten vom Potsdamer Klimainstitut jagten mir Angst ein. Seminare, ob selbst organisiert oder teilnehmend, drehten sich um Case-Studies (Wochenende bei Boston Consulting/München, über Elektromobilität mit McKinsey/Berlin),  Führung wirksam und werteorientiert gestalten (anders.beraten/Aachen), Überzeugend reden in Studium und Beruf (pwc/Berlin) und vielen anderen.

Weiterbildung kann zufällig auch anders passieren: Als ich gefragt wurde, einen längeren Aufsatz für eine Schweizer Buchpublikation zu schreiben, habe ich die Herausforderung angenommen. Mein Text im Buch ist zweisprachig in deutsch und englisch erschienen.

Großen Einfluss haben 2016 der Besuch beim Leadershiphoch3 Festival in Berlin, Olympiastadium, auf mich ausgewirkt. Wenn 75 Menschen aus Führung, Firmen, Beratung, Sozialem und Studium zusammen kommen und gemeinsam mehrere Tage zu Teilgebern statt klassischen -nehmern werden – und dies gut funktioniert und so abläuft, dass das, was ich weiß und kann, dir gebe, weil ich weiß, wenn ich mich traue, auch viel Wissen von dir bekommen kann. Für den Festivaltrailer habe ich den Bildschnitt übernommen und spontan bei einem zweiten sowohl Interview geführt als auch die Kamera.

Ende 2016 nahm ich bei der Fortbildung zur Workshopleitung in Hamburg teil. Und bald besuchte ich (nach außerordentlich gutem Zureden, Darlegung und Erklärung aller Fakten durch einen Freund, der die Trainerausbildung darin hat) die Heldenreise, die mächtig Einschlug bei mir. (ja, ich hatte es ganz anders erwartet. 🙂

Mein Weltbild schließt mit dem altbekannten: ich weiß nicht viel, ich kann in meinem kurzen Dasein nicht viel erfahren, doch ich tue mein Bestes und bleibe auf naiv-kindliche Weise offen für alles, was die Welt bietet.