Reisen

Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben. – Alexander von Humboldt (angeblich)

Trump, Le Pen, AfD. Wutbürger, Intoleranz, Maurer. Ängstliche, furchtsame, ausgrenzende.
Ich bin seit meiner Kindheit mehrere Monate pro Jahr im Ausland gereist. Viele Jahre mit meinen Eltern, einem großen Wohnwagen, tausenden von Kilometern und viel Zeit, die Kultur und Menschen vor Ort kennen zu lernen. Dabei bin ich das erste Mal mit 25 mit dem Flugzeug geflogen, nach Rom. War bis dato schon zwei Mal dort. Die Billigflieger und das günstige Kerosin machen es mir möglich, um den Globus zu fliegen. Ich bin ein Gegner von 5-tägigen NewYork-Aufenthalten. Wenn ich mehrere tausend Kilometer fliege, bleibe ich mindestens zwei Wochen. Kürzere Aufenthalte schlagen mir aufs Klima-Gewissen.
Meine vielen Reisen durch ganz Europa von den Azoren im Westen bis nach Griechenland, die Türkei im Osten, Südasien (Indien, Nepal), Südostasien (Thailand, Malaysia&Borneo, Singapur, Indonesien, Philippinen) und Ostasien (China, Japan, Südkorea), Abstecher nach Ägypten, Kasachstan und Südamerika haben mir Augen und Denken geweitet über meine Identität als „Deutscher“, oder besser: als „Europäer mit all seinen Vorzügen“, ja Luxus in Selbstbestimmung, Frieden und Reisefreiheit. Ich habe a) verstanden, was über uns Deutsche gesagt wird (german angst) und b) verstanden, was für ein Unsinn es ist, ein solch missmutiges Leben zu führen, wie viele von uns jeden Tag. Missmutig durften die vielen jungen, gut ausgebildeten Inder der Mittelschicht sein, deren Ärger ich beobachten und in Diskussionen erlebte. Ärger, das sie kaum die Gelegenheit bekommen werden, sich ein Flugticket von Delhi nach Frankfurt am Main zu leisten. Ich schon.

festival city marathon jakarta

Ich bin acht Monate allein gereist, ein absurd schmaler Deuter Futura 32 Rucksack für Wüste wie Himalaya, Dschungel wie Großstadt, Stadtbesichtigung wie Vulkanbesteigung. Letztlich hat mir das die Freundschaft zu so vielen Menschen eingebracht, weil ich mich gar nicht hinter irgendetwas verstecken konnte. Wer redet bei uns im Bus, im Zug mit einer fremden Person, kommt mit ihr ins Gespräch? Fremde Menschen können fremden Menschen helfen, wenn sie wollen. Traurig, dass das nichts mit Bildung oder Vermögen zu tun hat, mit einem großen Anwesen oder einem großen Auto, sonst wäre Deutschland komplett ein Land der freundlichen, hilfsbereiten Menschen. Ist es aber in Teilen nicht.
Ich bin ein großer Anhänger des Couchsurfens (CS). Es ermöglichte mir seit seiner Existenz die Kontaktaufnahme mit Einheimischen außerhalb anonymer Hotels. CS ist absurd, chaotisch, unvorhersehbar. Ich habe mich auf alles eingelassen, mit stoischer Ruhe und einem gewinnenden Lächeln im Gesicht. Ich wurde nie enttäuscht, auch wenn es unangenehm wurde.

Oft denke ich, meine Filmprojekte gar nicht ohne diese Erlebnisse hätte machen zu können. Klar, Mikro halten, Töne produzieren, Zusammenmischen – das können Ausgebildete. Auf youtube gibt es Milliarden solcher Produktionen. Wir, unsere Stoffe, unsere Projekte fallen auf durch unsere soziale wie kulturelle Kompetenz, unsere Authentizität. So etwas spürt man als Zuschauer. Es muss nicht immer gewollt sein. Es fühlt sich aber gut an.

Blog-Bilder zu Philippinen 2016

Reisen nach

  • Europa: dutzendfach Italien (Mailand, Rom, Florenz, Venedig, Neapel uvm.), Frankreich (Bretagne, Cote d Azur, Montpellier bis Perpignan, La Rochelle bis Biarritz), Polen (Breslau, Warschau, Krakau, Zakopane, Freunde), Spanien (Barcelona, Valencia, Zaragossa, Pyrenäen, Baskenland, San Sebastiano, Freunde), Kroatien, Schweiz (viel wandern, Berghütte), Österreich (viel wandern, Freunde), Niederlande (Segeltour), Rumänien (Kaparten wandern), Tschechien (Prag, Riesengebirge), Slowenien (Ljubljana), Mazedonien (Rucksack&Anhaltertour, Freunde), Portugal (240km Zelt, Gaskocher, Trek zum süd-westlichsten Zipfel Europas, Azoren), Griechenland
  • Türkei (Istanbul bis Kapadokien), Ägypten (Kairo, Filmfestival Ismaila), Gran Canaria (Zelt, Gaskocher, Wanderführer)
  • Kasachstan (Almaty, Einladung vom Goethe-Institut), China (Singapur), Indien (2,5 Monate von Goa bis Ladakh, Freunde), Nepal (Kathmandu, Trek entlang tibetischer Grenze)
  • Rucksacktouren durch Thailand, Malaysia (mit Borneo, Dschungel), Singapur, Indonesien (Motorradtour durch ganz Bali, surfen auf Lombok), Philippinen (Bohol, Siquijor, Camiguin, Leyte, Manila), überall Freunde 🙂
  • Südkorea (Uni-Bewerbung, Freunde, Film), Japan (zuerst Okinawa Projektreise, ein zweites Mal das Festland, Kumano-Kodo Trek samt TV-Interview, Freunde)
  • Chile und die Osterinsel (Projektreise, Freunde)

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Bild und Quelle: Mein Zieleinlauf beim ersten offiziellen Jakarta Stadt-Marathon, Indonesien http://thejakartamarathon.com/2014/language/en/