„Er verleiht Filmen hörbare Gefühle“

Soviel Zeitung.

Kurze Rekapitulation: wir haben einen erfolgreichen, emotionalen wie interessanten Film gemacht. Dieser richtet sich insbesondere an eine Zielgruppe von 6-14 Jahren. Was machen wir damit? Zeigen ihn im Kino und Festivals. Mehr? Warum Nicht-Festivalbesuchern vorenthalten? Derzeit ist er noch frisch, also los: lasst ihn mich gezielt an Schulen bringen, wo zur Zielgruppe auch das Ziel-Publikum sitzt, im Frontalunterrich vor Lehrer und vorm Stoff. Ich selbst kann mich gut an die holprigen Versuche des Religionsunterrichts erinnern (und nur da?), als versucht wurde, unserer Klasse Werte wie Toleranz, Umgang mit Minderheiten und Mobbing bei zu bringen. Hat es geklappt? Was für eine Frage. Bei Euch?
Lass mich die Frage, wie ich die Motivation von Schülern steigere, das Maximum an Impact/Einschlag vergrößere, banal: die Nachhaltigkeit: Wäre ich Schüler (ein Wechsel in die Gedankenwelt) und hätte die Wahl: zwischen zwei Schulstunden Religion, wo ganz sicher nichts hängen bleibt – oder Kino. Hm, der Film hat einen pädagogischen Hintergrund, das heißt, mein Lehrer wird von uns irgendetwas verlangen, Ausfragen danach, darüber diskutieren – bäh. Er sagt aber, dass da einer vom Filmteam dabei ist, oha, krass, was macht der in meiner Stadt? Kommen da Promis? – Yeah, mein Alter-Ego hält mich für einen Promi. 😀 Zurück zum Thema: ist das nicht ein weicher Teppich für Neugierde und Interesse? Bewaffnet mit Pressemappen und Plakaten schrieb ich Emails an hiesige Schulen&Gymnasien dieser Stadt – und dem neuen Cineplex: Wäret ihr für eine Sondervorstellung zu haben, würdet einen Saal bereitstellen? Die Zeitungen bekamen Pressetexte, da ich die Vorführung offen für jedermann machen wollte.
Bei der Berufsschule kam der Erfolg, die ihre 160 Schüler und Schülerinnen bei vergünstigten Eintritt so dann frei stellte und sie meiner halbstündigen Vormoderation überließen: „Ihr seid die ersten vor allen anderen Schulen hier, vor Hauptschulen, Realschulen und Gymnasium, ein Applaus für euch selber, bitte!“ Die Aufmerksamkeit ist da. Schnell den Film, die Entstehung, das Anliegen und einige Hintergründe vorstellen. Film ab und Überraschung: Nach 30 Minuten verebbten die üblichen coolen Kommentare und Lästereien, sie kicherten, lachten und reagierten emotional auf die Handlung. Zwischendrin eine im Jaqueline-Ton zur ihrer Mitschülerin „Ey! Du weinst ja voll.“ Da beiße ich vor Lachen in die Rückenlehne meines Vordermanns.
Übrigens besagten die Rückmeldungen seitens der Lehrer unisono: Selbst die hintersten alt bekannten Störer machten zurück im Unterricht überraschend mit bei der Nachbearbeitung und brachten sich ein in die Diskussionen über Mobbing und Kleinwüchsigkeit/Andersartigkeit. Ein voller Erfolg, wie schön 🙂

Vor der Vorführung gabs ein Interview, woraus dieser schöner Zeitungsartikel entstand. Quelle: Neumarkter Tagblatt vom 23.12.2016